Die Umbenennung

Der folgende Text ist in großen Teilen einem Elternbrief der Vorsitzenden der GEV, U. Baumgärtel-Ehrlicher, entnommen und stellt die Abläufe der Umbenennung ausführlich dar.



"[...]Schon seit die Schule im September 1956 den Namen "Erich-Hoepner-Oberschule" erhalten hatte, wurde über den Namen diskutiert. Kaum einer war damit   wirklich glücklich. Aber es gab immer Argumente zur Beibehaltung, wie z.B.: „den Namen zum Anlass nehmen, um über die Rolle des Widerstandes in der Nazizeit zu diskutieren“, oder; „Unter dem Kürzel EHO sind wir bekannt“

Als im Jahr 2006 die Feier zu „50 Jahre Erich-Hoepner“ angestanden hätte, wollte keiner feiern. Das war für uns Eltern der Anlass, die Frage zu stellen, ob man, wenn man einen Namen nicht mehr feiern will, mit diesem Namen weiter leben kann. Wir haben das in die diversen Gremien – Gesamtkonferenz, GEV, Elternversammlungen - der Schule eingebracht und sowohl in den Gremien als auch in den Elternversammlungen Voten eingeholt. Im Sommer 2006 fasste die Schulkonferenz den Beschluss, dass der Name geändert, ein neuer Namen gefunden und dazu eine Kommission aufgestellt werden solle. Innerhalb von 2 Jahren sollte der Prozess abgeschlossen sein, und bis dahin solle die Schule den alten Namen weitertragen.
Die Schulkonferenz ist paritätisch besetzt und besteht aus 4 Lehrern, 4 Schülern, 4 Elternvertretern, dem Schulleiter und einer schulfremden Person (Musikschule Charlottenburg-Wilmersdorf) und wird für zwei Jahre bestellt. Sie ist das oberste Gremium der Schule und befindet u.a. auch über den Namen – wobei jedes einzelne Mitglied nur seinem Gewissen verpflichtet ist.
Nach dem ersten Halbjahr 2006/2007 wurden alle an der Schule Beteiligte aufgefordert, Namensvorschläge mit Begründung abzugeben. Nach den Osterferien standen 30 Namen zur Auswahl. Die Namenkommission hat die Namen sondiert und daraus 10 Namen ausgewählt, die in der Broschüre „Ein neuer Namen für das Erich-Hoepner-Gymnasium“ ausführlich dargestellt sind.
Im Frühjahr dieses Jahres wurde ein Meinungsbild unter Schülern, Lehrern und Eltern zum neuen Namen abgefragt. Dabei wurde immer betont, dass es sich um ein Meinungsbild handele, und dass das Votum in der Schulkonferenz erfolge.
Das Meinungsbild Ende Februar ergab folgende Punktzahlen und Rangfolgen:

Name

Lehrer

Eltern

Schüler

Gesamt


Punkte

Rang

Punkte

Rang

Punkte

Rang


Heinz-Berggruen

31

4

296

2

318

5

4

Charlottenburger G.

35

3

247

3

559

3

2

Ehepaar Hensel

6

9

42

9

200

8

9

Elly-Heuss

13

7

217

4

854

1

5

E.-T.-A.-Hoffmann

48

1

181

5

517

4

3

Ernst-Lubitsch

16

6

149

6

256

6

7

Hans-Scharoun

28

5

131

8

233

7

6

Clara-Schumann

48

1

310

1

665

2

1

Kurt-Weill

13

7

146

7

196

9

8

Da das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf den Namen „Charlottenburger Gymnasium“ abgelehnt hatte, blieben nur noch 8 Namen übrig. Damit besetzten Clara Schumann, E-T-A.Hoffmann und Heinz Berggruen die ersten 3 Plätze, auf Platz 4 folgte Elly Heuss.
Die Schulkonferenz vom 3.3.2008 tagte mehrere Stunden, und es war trotz mehrerer Wahlgänge keine Einigung zu erzielen – für die Umbenennung ist eine 2/3-Mehrheit der SK erforderlich. Es wurde aber deutlich, dass der Name Elly-Heuss-Gymnasium ebenfalls problematisch ist, da die Frau des ersten Bundespräsidenten Elly Heuss-Knapp hieß und man sie posthum nicht auf den Namen ihres Mannes reduzieren könne. [...]
Mit dieser Maßgabe wurde wiederum ein Meinungsbild unter den Schülern eingeholt, bei dem die „Nummer 1“ der Schüler dann weit nach unten sackte. Dazu ging ein Lehrer nochmals alle Klassen ab. In einer darauf folgenden SV-Sitzung diskutierten die Klassensprecher und Schulsprecher nochmals über das Meinungsbild und das demokratische „Procedere“, bei dem die Schülervertreter in der Schulkonferenz den Mitgliedern der SV erklärten, dass sie zwar das Meinungsbild der Schülerschaft bei ihrer Stimmabgabe berücksichtigen werden, aber letztlich nur ihrem Gewissen verpflichtet sind.
In der Schulkonferenz vom 11.3.08 wurde dann über die 4 verbleibenden erstplatzierten Namen

  • Clara-Schumann-Gymnasium
  • E.-T.-A.-Hoffmann-Gymnasium
  • Heinz-Berggruen-Gymnasium
  • Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium  

diskutiert."
Das Ergebnis zeigt das Protokoll der Schulkonferenz:

"Nach den freien Meinungsäußerungen 1. Wahlgang mit der Möglichkeit, 3, 2 und 1 Punkt zu vergeben.
In diesem ersten Wahlgang erhalten:
Elly Heuss-Knapp                 1
E.-T.-A. Hoffmann                 4
Clara Schumann                 17
Heinz Berggruen                 37  
In einem zweiten Wahlgang mit der Vorgabe Berggruen als Namenspatron mit ja oder nein zu wählen, wird er mit 14 Stimmen einstimmig gewählt.“

Damit hatte sich nicht eine Gruppe durchgesetzt, sondern es war von dem zuständigen Gremium ein wahrer Konsens gefunden worden.
Artikelaktionen